„Freiheit verschwindet selten über Nacht. Sie geht in Trippelschritten verloren — durch gut gemeinte Gesetze, neue Ausnahmen und immer mehr Kontrolle."
Ich bin Weltenbürger. Ich reise viel, ich baue Unternehmen in mehreren Ländern, ich vergleiche Systeme aus erster Hand. Ich könnte fast überall leben und arbeiten — und genau deshalb schreibe ich das hier nicht als jemand, der muss, sondern als jemand, der will: Europa ist es wert, verteidigt zu werden.
Ich glaube an Demokratie, an den Rechtsstaat, an Wissenschaft und Fortschritt. Vor allem aber glaube ich an freie Menschen — nicht an verwaltete.
Europa wurde auf Freiheit, Menschenwürde, Eigentum, Meinungsfreiheit, Privatsphäre und Eigenverantwortung gebaut. Nichts davon ist selbstverständlich, und nichts davon bleibt von allein. Dieses Manifest richtet sich nicht gegen Europa. Es richtet sich gegen die schleichende Erosion genau jener Freiheiten, die Europa stark gemacht haben.
Freiheit stirbt leise
Die Geschichte zeigt: Freiheit verschwindet fast nie durch einen einzigen großen Einschnitt. Sie verändert sich langsam — mit jedem neuen Register, jeder zusätzlichen Dokumentationspflicht, jeder Datenbank, jeder kleinen Einschränkung, die einzeln betrachtet vernünftig klingt. Genau deshalb müssen Bürger wachsam bleiben. Nicht aus Angst, sondern aus Verantwortung.
Natürlich hat der Staat Pflichten: Kriminalität bekämpfen, Kinder schützen, Terror verhindern, Geldwäsche aufdecken. Diese Ziele unterstütze ich ausdrücklich. Aber in einem freiheitlichen Rechtsstaat genügt ein gutes Ziel allein nicht. Jeder Eingriff in Grundrechte muss sich immer wieder an denselben Fragen messen lassen:
Ist er notwendig? Ist er verhältnismäßig? Gibt es ein milderes Mittel? Und wer kontrolliert die Kontrolleure?
Was sich gerade verändert
Die EU hat in den letzten Jahren eine ganze Reihe von Gesetzen beschlossen oder auf den Weg gebracht, die tief ins digitale und wirtschaftliche Leben eingreifen: das Anti-Geldwäschepaket mit strengeren Identitäts- und Dokumentationspflichten, die europäische Digital Identity Wallet, den Digital Services Act, den AI Act, neue Cybersecurity-Regeln, biometrische Grenzsysteme wie EES und ETIAS. Jede dieser Regelungen verfolgt legitime Ziele. Aber in Summe verändern sie das Verhältnis zwischen Bürger und Staat — und genau darüber muss offen gestritten werden. Nicht weil Freiheit schon verloren wäre, sondern weil sie nur erhalten bleibt, wenn ihre Grenzen immer wieder neu verteidigt werden.
Ich bin Unternehmer. Ich weiß, was diese Regelwerke in der Praxis bedeuten — nicht als Schlagwort, sondern als verlorene Zeit, verlorene Ideen und Gründer, die es gar nicht erst versuchen. Und ich weiß noch etwas: Kapital, Talent und Ideen sind mobil.
Wer Freiheit einschränkt, verliert zuerst die, die gehen können. Ein Kontinent, der seine besten Köpfe nur noch verwaltet statt gewinnt, wird nicht sicherer — nur ärmer.
Bargeld ist gedruckte Freiheit
Bargeld ist mehr als Papier. Es ermöglicht wirtschaftliche Selbstbestimmung, schützt die Privatsphäre und macht unabhängig von technischen Systemen, Konten und Konzernen. Ich sehe mit Sorge, wie seine Nutzung schrittweise eingeschränkt und erschwert wird.
Eine moderne Gesellschaft darf digitale Zahlungsmittel fördern — sie darf Bargeld aber niemals faktisch verdrängen. Freiheit bedeutet Wahlfreiheit.
Vertrauliche Kommunikation ist keine Straftat
Eine freie Gesellschaft braucht vertrauliche Kommunikation. Früher war es der Brief, heute ist es die verschlüsselte Nachricht. Seit Jahren wird in Europa darüber diskutiert, private Kommunikation stärker für die Strafverfolgung zu öffnen — bis hin zu Vorschlägen, Nachrichten schon auf den Geräten der Bürger zu durchleuchten. Ich sage klar: Der Kampf gegen Kindesmissbrauch und organisierte Kriminalität ist richtig und wichtig. Aber er rechtfertigt nicht, dass private Kommunikation grundsätzlich unter Verdacht gerät.
Starke Ende-zu-Ende-Verschlüsselung schützt nicht Täter — sie schützt Journalisten, Anwälte, Ärzte, Unternehmen, Whistleblower und jeden einzelnen Bürger. Wer sichere Verschlüsselung schwächt, schwächt die Sicherheit aller.
Keine verpflichtenden Hintertüren, keine anlasslose Massenüberwachung. Überwachung nur bei konkretem Verdacht, auf gesetzlicher Grundlage und unter unabhängiger richterlicher Kontrolle.
Digitale Kontrolle braucht Grenzen
Das Internet war einmal der freieste Raum, den es je gab. Heute entfernen Plattformen unter Regulierungsdruck lieber zu viel als zu wenig — das nennt sich Overblocking, und es trifft am Ende auch rechtmäßige Inhalte. Dazu kommen Debatten über verpflichtende Alters- und Identitätsnachweise für digitale Dienste und immer größere biometrische Systeme an den Grenzen.
Grenzsicherung ist eine legitime Aufgabe. Aber je größer diese Systeme werden, desto wichtiger werden Transparenz, unabhängige Kontrolle, klare Löschfristen und wirksamer Rechtsschutz. Und das Recht, sich im Netz anonym zu äußern, muss dort bestehen bleiben, wo keine überwiegenden rechtsstaatlichen Gründe dagegenstehen.
Innovation braucht Luft zum Atmen
Ich bin kein Technikgegner — im Gegenteil, ich baue selbst mit KI und neuen Technologien. Der AI Act setzt weltweit Maßstäbe, und Regeln gegen Missbrauch sind richtig. Aber Europa darf bei aller Regulierung nicht vergessen, woher Wohlstand kommt: von mutigen Forschern, Entwicklern und Unternehmern.
Wer jede neue Technologie zuerst als Risiko behandelt, wird am Ende zusehen, wie sie woanders gebaut wird.
An denen man uns messen kann
- 1 Bargeld dauerhaft sichern — gesetzlich garantiert, uneingeschränkt nutzbar.
- 2 Privacy by Default — Datensparsamkeit als Grundeinstellung, nicht als Option.
- 3 Starke Verschlüsselung schützen — keine Hintertüren, niemals.
- 4 Keine anlasslose Massenüberwachung — Überwachung nur bei konkretem Verdacht und richterlicher Kontrolle.
- 5 Sunset-Klauseln für Überwachungsgesetze — jedes Eingriffsgesetz läuft automatisch aus, wenn es sich nicht bewährt.
- 6 Unabhängige Kontrolle staatlicher Datensammlungen — wer Daten sammelt, wird selbst kontrolliert.
- 7 Regulierung mit Ablaufdatum und Evaluierung — jede Regel muss regelmäßig beweisen, dass sie notwendig, geeignet und verhältnismäßig ist.
- 8 Verständliche Gesetze — ein Gesetz, das kein normaler Mensch mehr versteht, ist kein gutes Gesetz.
- 9 Freiheit für die, die etwas aufbauen — weniger Bürokratie für Gründer, Innovatoren und Unternehmer.
- 10 Technologie dient dem Menschen — nicht der Mensch dem System.
Mein Aufruf
Keine Regierung ist unfehlbar. Keine Behörde, keine Partei, keine Institution. Demokratie lebt davon, dass Macht begrenzt wird, dass Gesetze hinterfragt werden dürfen und Bürger widersprechen können. Nicht blindes Vertrauen schützt Freiheit — die Kontrolle staatlicher Macht schützt Freiheit.
Ich rufe Politiker, Unternehmer, Wissenschaftler und Bürger auf: Lehnt nicht jede neue Regulierung reflexartig ab. Aber akzeptiert auch nicht jede reflexartig. Stellt bei jedem Gesetz dieselben Fragen: Ist es notwendig? Ist es verhältnismäßig? Schützt es unsere Freiheit genauso konsequent, wie es unsere Sicherheit schützen soll?
Die größte Stärke Europas waren nie seine Behörden, nicht seine Bürokratie, nicht seine Verordnungen. Seine größte Stärke waren immer freie Menschen — Menschen, die denken, Verantwortung übernehmen und widersprechen dürfen.
Ich habe die Wahl, wo ich lebe und wo ich baue. Ich wünsche mir ein Europa, das man wählt — nicht eines, dem man entkommt. Freiheit ist kein Privileg. Sie ist die Voraussetzung für Demokratie. Und sie ist es jeder Generation aufs Neue wert, verteidigt zu werden.
Für Freiheit. Für Selbstbestimmung. Für ein starkes, demokratisches und freies Europa.